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Interview: Lebensweisheiten eines Ex-Beraters

Consulting-Insider interviewte Fabian Hardenberg, den unter einem Pseudonym schreibenden Autor von "Heisse Phase: Ein Insider-Roman aus der Welt der Unternehmensberatung". Das Interview führte Stefan Menden.

CSI: Fabian, Du hast mit „Heisse Phase“ ein Buch mit Bezug zum Alltag als Unternehmensberater geschrieben. Erzähle uns ein bißchen über Deinen eigenen Hintergrund.

Hardenberg:
Anders als Sebastian Ritter, der Held in „Heiße Phase“, bin ich kein BWLer, sondern habe Literatur und Philosophie studiert. Nach dem Studium habe ich zunächst in der Medienindustrie gearbeitet und habe mich dann bei einer Unternehmensberatung beworben (übrigens nur bei einer), um Management zu lernen. Ein Freund, der dort schon gearbeitet hatte, hat mich gecoacht, und zu meiner eigenen Überraschung hat die Beratung mich dann nach neun Interviews in zwei Runden genommen. Mit Medienberatung war allerdings nicht viel – gleich mit meinem ersten Projekt bin ich in Financial Services gelandet und dort auch – bis auf ein paar wenige Ausnahmen – geblieben. Immerhin, so konnte ich die Erfahrungen sammeln, die den Grundstock für die Story von „Heiße Phase“ lieferten.

CSI: In wenigen Sätzen, wovon handelt das Buch?

Hardenberg:
Sebastian Ritter, Senior-Projektleiter bei Top Management Consulting, steht kurz vor der Partnerwahl. Doch just an diesem wichtigsten Zeitpunkt in seiner Karriere scheint sich alles gegen ihn verschworen zu haben: Die Daten, auf denen die Abschlusspräsentation bei seinem Bankenkunden beruht, scheinen gefälscht zu sein, die junge Beraterin, in die er sich verliebt hat, setzt sich auf ein anderes Projekt ab, und seine persönliche Feindschaft mit dem Controlling-Chef der Bank nimmt so dramatische Züge an, dass der zuständige Vorstand verlangt, er solle vom Projekt genommen werden. Je mehr Sebastian glaubt, den Intrigen in der Bank auf die Spur zu kommen, desto mehr verwickelt er sich in sie, bis ihn eines Morgens ein Anruf aufschreckt, der ihn vor einer Falle warnt... Die Ereignisse überschlagen sich, und am Ende hat Sebastian nur noch eine Chance: Er muss selbst den skrupellosen Drahtzieher der Intrigen stellen.

CSI: Du bist seit sieben Jahren Berater. Was bedeutet Dir der Job? Wie hältst Du den Druck, den Du in dem Buch beschreibst, aus?

Hardenberg:
Kaum etwas in meinem Leben hat mich so geprägt wie meine Zeit als Berater. (Fast) alles, was ich über Wirtschaft und Management weiß und kann, habe ich dort gelernt. Nirgendwo sonst kann man mit so faszinierenden Leuten zusammen arbeiten und in so kurzer Zeit so viel bewegen. Andererseits: Nirgendwo sonst – vielleicht abgesehen von Investmentbanken – arbeitet man so viel und so fremdgesteuert. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem man sich fragt: Ist es das wert? Bei mir war das der Fall, als ich Vater wurde und darüber nachdachte, ob ich auch etwas davon mitbekommen würde, wie mein Sohn aufwächst. Zuerst habe ich mich entschieden, drei Monate Sabbatical einzulegen – das ist ein großer Vorteil einer Beratung, dass so etwas dort geht – dann habe ich die Seiten gewechselt. Jetzt bin ich Leiter im Vertrieb einer der führenden Banken Deutschlands.

CSI: “Heisse Phase“ ist eine spannende Geschichte, die im Beraterleben spielt. Du schreibst das Buch jedoch unter einem Pseudonym. Wie viel ist wahr und stammt aus Deinen persönlichen Erfahrungen?

Hardenberg:
Alles in „Heiße Phase“ ist Fiktion, also erfunden. Aber es basiert natürlich auf meinen Erfahrungen, und so haben sich auch etliche Ereignisse im Roman in der Wirklichkeit fast genau so abgespielt – aber eben nur fast. Den entscheidenden Unterschied macht natürlich die Story, und erst durch die werden die Schilderungen zu einem Roman.

CSI: Hast Du das Buch während eines Sabbaticals geschrieben, oder wie konntest Du die Zeit hierfür finden? Werden angesichts des Erfolges weitere Bücher folgen?

Hardenberg:
Die erste Fassung von „Heiße Phase“ ist während eines Zeitraums von zwei Jahren entstanden, der größte Teil davon während einer „Auszeit“ von der Beratung. Danach habe ich den Text immer wieder überarbeitet, so ziemlich in jedem Urlaub, sehr zum Ärger meiner Freundin, später Frau. Wenn man einmal mit so etwas angefangen hat, kann man natürlich nur schwer wieder aufhören. Die Fortsetzung ist deshalb schon in Arbeit. Vor nächstem Jahr wird sie aber wohl nicht fertig werden.

CSI: Dein Protagonist handelt als Aufklärer der Intrigen. Wie genau nehmen es Beratungen mit der Wahrheit und Perfektion angesichts der hohen Projektsummen, „Hidden Agendas“ und dem persönlichen Erfolgsdruck tatsächlich?

Hardenberg:
Perfektion ist das, was eine Beratung treibt, wenn sie wirklich erfolgreich sein will (was nicht heißt, das alle Beratungen so denken – es gibt auch solche, die das schnelle Geld und nicht die langfristige Kundenbeziehung suchen). Die enormen Honorare sind nur dann gerechtfertigt, wenn die Berater wirklich das Beste in der kürzest möglichen Zeit liefern, und nur hierdurch sind die Kunden auch wirklich zu überzeugen – schon bei der Projektvorstellung. „Wahrheit“ ist in diesem Zusammenhang ein schwieriger Begriff, denn alles, was Berater erarbeiten, ist immer „pragmatisch“, also zweckorientiert. Da wird auch mal etwas bewusst ausgelassen, wenn es nicht in das Bild passt, dass man benötigt. Gefährlich wird das Ganze, wenn man sich als Berater instrumentalisieren lässt und selbst nicht mehr hinter der eigenen Lösung steht, sondern dem Kundenwunsch nachgibt. Wenn viel Geld auf dem Spiel steht – z. B. der Folgeauftrag – ist es schwer, hier nein zu sagen. Aber auch hier gilt: Wenn eine Beratung wirklich erfolgreich sein will, muss sie das. Denn nichts zerstört den Erfolg nachhaltiger als ein schlechter Ruf.

CSI: Wer wird Deiner Erfahrung nach erfolgreich als Unternehmensberater (und Mensch)? Welche Tipps kannst Du Absolventen / jungen Berufstätigen geben, die eine Berater-Karriere planen?

Hardenberg:
Wer Berater werden will, muss bereit sein, zu verzichten. „Clients first“ ist die eisenharte Regel, und die gilt immer, an jedem Wochentag, zu jeder Tageszeit, an jedem Ort. Andererseits: Eine intensivere Erfahrung ist kaum denkbar, und als Anfänger tut man gut, Augen und Ohren offen zu halten, so viel wie möglich in sich aufzunehmen und Fehler möglichst schnell und ohne große Skrupel wegzustecken. Eine der wichtigsten Dinge ist, sich einen erfahrenen Mentor zu suchen und den so oft wie möglich anzuzapfen: Daraus erwächst Sicherheit. Am Ende wird der am erfolgreichsten sein, der es versteht, Leistung zu bringen und trotzdem – oder gerade deswegen – in sich zu ruhen; das gilt übrigens auch schon für die Bewerbungsinterviews. Wer merkt, dass beides nicht miteinander zu verbinden ist, muss konsequent sein und sich etwas anderes suchen (siehe oben).

CSI: Fabian, vielen Dank für das Interview.

 

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Hardenberg, Fabian
Heisse Phase - Ein Insider-Roman aus der Welt der Unternehmensberatung

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